Donnerstag, 20. September 2018 16:33 Uhr

Vom Groundhopper zum Oberligageschäftsführer: Eine Story, die nur der Fußball schreibt Vom Groundhopper zum Oberligageschäftsführer: Eine Story, die nur der Fußball schreibt

Mannschaft 1: 1. FC Wunstorf

Alfeld/Leipzig(r). Er hat schon mehr als 1.000 Fußballspiele gesehen – nicht am Fernseher, sondern in den Stadien dieser Welt. Pascal Deppe ist nicht nur ein Fußballfan, er ist fußballverrückt. Seit Januar 2018 arbeitet Deppe nun als Geschäftsführer beim Oberligaverein FC Inter Leipzig, der sich mit einem bemerkenswerten Konzept von der städtischen Konkurrenz abhebt und in der Saisonvorbereitung auch in Hildesheim gastierte.

„Inter ist, wie es der Name bereits andeutet, von der multikulturellen Vielfalt seiner Spieler geprägt. Wir haben Spieler aus allen Teilen der Welt – von Argentinien bis Japan, von Südkorea bis Australien“, berichtet Deppe. Nicht selten würden sich Spieler bei Inter weiterentwickeln, um dann im deutschen respektive europäischen Profi-Fußball Fuß zu fassen. „Wir arbeiten aus verschiedenen Gründen oftmals mit Einjahresverträgen. Daher haben wir naturgemäß eine hohe Fluktuation – jede Saison entsteht bei uns eine auf vielen Positionen veränderte Mannschaft“, erzählt Deppe.

Durch die professionellen Strukturen des Vereins und die ebenso professionellen Trainingsbedingungen, für die das Trainerteam um den ehemaligen Profi von Hannover 96, Heiner Backhaus, verantwortlich zeichnet, sei Inter ein attraktives Ziel für ambitionierte Fußballer aus aller Welt. „Nicht selten schicken uns Spieler Videos, um sich bei uns für ein Probetraining zu bewerben. Wenn unsererseits Interesse besteht, setzen die Jungs sich ins Flugzeug und präsentieren sich über mehrere Tage im Mannschaftstraining“, so Deppe. Die Kosten tragen die Spieler selbst.

Da die Zusammensetzung des Teams im Unterschied zu vielen Ligakonkurrenten bunt gemischt sei, habe der Verein Englisch als Trainingssprache festgelegt. „Obwohl die Truppe aus Spielen vieler Länder zusammengewürfelt ist, entsteht immer wieder eine homogene Einheit, in der jeder Spieler ein gut integrierter, wichtiger Bestandteil ist“, sagt Deppe. So würden die Spieler gemeinsam an ihrem Traum arbeiten, den Schritt in den Profi-Fußball zu schaffen und sich dabei – auch mit Unterstützung des Vereins – auf und neben dem Platz möglichst schnell zurechtzufinden. „Bei uns herrscht das Prinzip gelebter Integration. Wir unterstützen die Spieler einerseits bei Behördengängen oder Arztbesuchen abseits des Platzes und fordern und fördern andererseits durch tägliches, professionelles Training auch ihre fußballerische Entwicklung“, so der Geschäftsführer weiter. Fußball habe – auch wenn einige Spieler noch Nebenjobs nachgehen würden – in Anlehnung an den Profi-Bereich klare Priorität.

Erfreulicherweise werde der Verein nur lediglich selten mit Diskriminierung oder Rassismus konfrontiert. „Die Vereine in unserer Spielklasse sowie der Großteil der Fans verhalten sich äußerst offen und tolerant. Rassistische Zwischenfälle gab es in meiner Amtszeit fast gar nicht“, berichtet Deppe. Grund dafür sei neben der Aufklärungsarbeit der Vereine vermutlich auch das hohe Strafmaß. „Da spricht der Verband saftige Strafen aus“, so der Geschäftsführer weiter.

Doch wie ist Deppe, der seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Rathaus von Nörten Hardenberg abgelegt hat, in die Fußball-Branche gerutscht? „Ich habe in meinem Leben mehr als 1.500 Spiele live in den Stadien dieser Welt gesehen. Eines Tages habe ich Heiner Backhaus am Rande eines Testspiels von Inter kennengelernt – von dem Moment an ging alles relativ schnell“, berichtet Deppe. Durch seinen Job bei Inter könne der Fußballfanatiker, dessen Lebenspartnerin aus Alfeld, das fünf Jahre seine Heimat war, kommt, seine Leidenschaft mit dem Beruf verbinden.

„Wir haben bei Inter jede Menge vor. Wir wollen den Verein neben RB, Chemie und Lok etablieren und wachsen lassen“, sagt er. Um dieses Ziel zu erreichen, wolle und werde Inter seinen bemerkenswerten, individuellen Weg auch weiterhin beschreiten.

Deppe auf Fußballreise in Argentinien beim Spiel Racing Club - Patronato

Fotos: Deppe

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