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Sonntag, 30. Dezember 2018 14:04 Uhr

"Ich möchte das Schiedsrichterwesen hier im Kreis vorantreiben" - Schiedsrichter Timm Goldschmidt im Interview "Ich möchte das Schiedsrichterwesen hier im Kreis vorantreiben" - Schiedsrichter Timm Goldschmidt im Intervie

Mannschaft 1: 1. FC Wunstorf

Bevern (mm). Der demografische Wandel macht auch vor dem Schiedsrichterwesen keinen Halt. Neben weniger werdenden Mannschaftszahlen stehen den Schiedsrichteransetzern von Jahr zu Jahr zumeist auch weniger Schiedsrichter für die Ansetzung von Spielen zur Verfügung. Aktuell liegt die Schiedsrichterzahl im Kreis Holzminden bei rund 50 aktiven Schiedsrichter, die bei einem kompletten Spieltag circa 65 Spielen leiten.

Umso wichtiger werden die Jungschiedsrichter im Kreis, wie Timm Goldschmidt, der mit seinen 17 Jahren Herren-Kreisligaspiele pfeift und sich auch auf Dauer als Schiedsrichter im Kreis Holzminden sieht. Im Interview verrät Goldschmidt wie er zum Schiedsrichterwesen gekommen ist, welche Eigenschaften man als Schiedsrichter mitbringen sollte und welche Ziele er sich für die nächsten Jahre gesetzt hat.

Redaktion: "Timm, schön dass es mit dem Interview geklappt hat. Die letzte Saison lief für dich nicht nur als Schiedsrichter ganz gut, sondern auch als Fußballer. Wo hast du bisher gespielt, auf welcher Position bist du zu Hause und was waren deine größten Erfolge?"

Timm: "Ich habe in Holzminden angefangen und habe danach in Stahle gespielt. Seit einiger Zeit bin ich beim MTV Bevern in der Offensive zu Hause. Mein größter Erfolg war die A-Jugend Meisterschaft. Im Pokalfinale haben wir leider vor heimischen Publikum keinen guten Tag erwischt und dort dann auch gegen die JSG Ith verloren."

Redaktion: "Siehst du dich eher als Fußballer oder als Schiedsrichter?"

Timm: "Ich bin denke ich ein besserer Schiedsrichter als Fußballer. Deswegen werde ich auch im Sommer weiter pfeifen und eher weniger Fußballspielen, auch wenn ich echt gerne spiele."

Redaktion: "Wie kamst du zur Schiedsrichterei?"

Timm: "Ich bin schon seit längerem vom Fußball begeistert und fand es schon immer klasse, dass Schiedsrichter in den Stadien deutschlandweit freien Eintritt haben. Mein Vater kennt den früheren Bundesligaschiedsrichter Michael Weiner sogar ganz gut. Ich wollte schon relativ früh anfangen, aber musste mich noch etwas gedulden."

Redaktion: "Wann hast du deinen Schiedsrichterschein gemacht? Hast du die Prüfung fehlerfrei ablegen können?"

Timm: "Ich habe in der Saison 2014/2015 meinen Schiedsrichterschein unter Simon Falk und Joachim Rössler gemacht. Die Prüfung habe ich mit einem Fehlerpunkt bestanden. Ich fand den Lehrgang super und finde es nach wie vor stark, was Joachim Rössler trotz seines Alters für die Jungschiedsrichter alles macht."

Redaktion: "Viele Jungschiedsrichter pfeifen nach der Prüfung erstmal im Verein die F - D-Junioren. Wie war dein Start?"

Timm: "Bei mir war das anders. Ich wurde zur Rückrunde 2015 gleich zu einem C-Junioren Spiel angesetzt, bei welchem mich Jan Gömann als Coach begleitet hat. An das Spiel kann ich mich noch ganz gut erinnern. In der Halbzeitpause kam der Trainer der Mannschaft, die mit 0:6 zurücklag, auf mich zu und berichtete mir, dass sich bei ihm noch Spieler verletzt haben und bat mich das Spiel abzubrechen, sodass ich die Begegnung zur Halbzeit abbrechen musste. Nichtsdestotrotz ist es heute noch so, dass ich ab und zu auch mal für den Verein das ein oder andere Spiel im Monat leite."

Redaktion: "Wie war es für dich Gleichaltrige zu pfeifen? Wie sollte man an die Aufgabe als Schiedsrichterassistent in der Kreisliga angehen?"

Timm: "Daran musste ich mich gewöhnen. Oftmals war es so, dass sie dich versuchen zu täuschen, mit Schwalben oder ähnliches. Ich denke das habe ich beispielsweise bei der A-Jugendbegegnung SG Wesertal gegen JSG Forstbachtal ganz gut hinbekommen, als ich dem Spieler wegen einer Schwalbe die gelbe Karte gezeigt habe. Die kam bei der Bewertung durch den Schiedsrichterbeobachter auch gut an. Die Aufgabe als Schiedsrichterassistent sollte man so angehen, dass es immer mal wieder dazu kommen kann, dass jemand unzufrieden mit einer Entscheidung ist. Ich denke das gehört in unseren Ligen auch dazu. Es hat mich nie wirklich gestört. Wichtig ist, dass es nach dem Spiel ruhig bleibt."

Redaktion: "Seit wann pfeifst du im Herrenbereich? Mit deinen 17 Jahren pfeifst du ja bereits in der Kreisliga."

Timm: "Ich leite seit der Saison 2017/2018 spiele im Herrenbereich. Mein erstes Spiel war in der 2. Kreisklasse SG Ammensen/Grünenplan II gegen die SG Heinade II/Deensen III. Ich bin dann auch relativ schnell in die 1. Kreisklasse gekommen, wo es verhältnismäßig noch ruhig zugeht. Zur Rückrunde habe ich dann bereits mein erstes Kreisligaspiel SG Wesertal - VfL Dielmissen gepfiffen und musste dort auch gleich einen Platzverweis verteilen. Als Unterstützung hatte ich mit Chris Müller einen erfahrenen Schiedsrichter an der Linie dabei. Meine erste Bewertung habe ich dann bei dem Spiel zwischen dem MTSV Eschershausen und dem TSV Kirchbrak bekommen. Bei diesem Spiel gab es wegen einer schweren Kopfverletzung beim Kirchbraker Keeper auch gleich eine 10-minütige Verletzungsunterbrechung."

Redaktion: "Wie ist es für dich in der Kreisliga zu pfeifen?"

Timm: "Für mich war es anfangs etwas ungewohnt, da man die unterschiedlichen Spielertypen auf dem Platz noch nicht kannte. Mittlerweile kennt man die meisten Spieler und sie kennen mich jetzt auch. Ich versuche auf dem Platz immer ein miteinander statt gegeneinander hinzubekommen. Klar gibt es auch Spiele, wo man sich während des Spiels fragt, warum hat man die Entscheidung jetzt so getroffen und nicht anders, aber man lernt damit umzugehen. Das wichtigste ist ohnehin, dass man sich nach jedem Spiel selbst hinterfragt und jedem klar ist, dass wir nur Menschen sind und auch wir Fehler machen."

Redaktion: "Zur Wintersaison wird auch in diesem Jahr wieder ein Schiedsrichterlehrgang angeboten. Warum sollte man Schiedsrichter werden?"

Timm: "Wenn man Spaß am Ehrenamt hat und sich ein gutes Taschengeld verdienen oder gerne ins Stadion fährt, ist es eigentlich für jeden eine schöne Sachen. Es ist gerade etwas für Menschen, die selbstbewusst sind oder selbstbewusster werden wollen. Auch ich selbst habe gemerkt, dass ich durch die Schiedsrichterei im Leben weiterkommen. Bei uns im Kreis herrscht zudem eine gute Gemeinschaft. Ich freue mich schon, wenn wir z:B. Anfang des Jahres wieder zum Jungschiedsrichterturnier fahren werden."

Redaktion: "In welchem Bereich sucht ihr Schiedsrichter?"

Timm: "Wir suchen generell Schiedsrichteranwärter ab 14 Jahren. Es können sich aber auch jüngere melden. Ich denke, dass es auch sehr reizvoll für jemanden ist, der selbst nicht mehr spielen will/kann und in diesem Hobby eine neue Chance ergreifen kann."

Redaktion: "Fußball spielen und gleichzeitig pfeifen - auf wieviele Spiele bist du in der letzten Saison gekommen?"

Timm: "Ich habe in der vergangenen Saison 20 Spiele gespielt und insgesamt 48 geleitet. Da kommen schon einige zusammen. Es waren aber auch einige Spiele unter der Woche dabei, sodass man nicht jedes Wochenende an beiden Tagen los war. Man muss sich auch nicht festlegen, ob man pfeifen oder spielen will. Die wichtigste Eigenschaft, die man mitbringen sollte, ist zuverlässig zu sein."

Redaktion: "Du warst in diesem Jahr auch beim großen Jugendturnier, dem Dana-Cup in Hjörring. Wie läuft das dort ab? Wie verläuft die Verständigung mit den Spielern und Trainern auf dem Platz?"

Timm: "Ich war in diesem Jahr bereits das zweite Mal dabei. Es ist immer wieder super Erfahrung. Wir fahren dort immer von Samstag bis Samstag hin, sodass wir die ersten beiden Tage Zeit haben, unser Ferienhaus zu beziehen und zur freien Verfügung haben. Am Montag wird nach der Eröffnungsfeier ein Barbecue für die Schiedsrichter gereicht, ehe es dann am Dienstag mit den Spielen losgeht. Jeder Schiedsrichter leitet dann zunächst einmal drei - vier Spiele pro Tag und erhält pro 50 dänische Kronen. Die Gruppenspiele finden ohne Linienrichter statt, bei den K.O.-Spielen ist das unterschiedlich. Wir verständigen uns auf dem Platz auf englisch und da Mannschaften, die beispielsweise aus Brasilien kommen, kein englisch verstehen, auch mit Zeichensprachen."

Redaktion: "Du machst aktuell dein Abitur. Bleibst du der Region erhalten und welche Ziele hast du?"

Timm: "Ich möchte definitiv der Region erhalten bleiben und das Schiedsrichterwesen hier im Kreis vorantreiben. Ich konnte in der kurzen Zeit einige Freundschaft schließen und hoffe diese auch in Zukunft weiterzuführen. Mein Ziel ist es in den Bezirk aufzusteigen und dann auch Spiele der Herren und A-Junioren auf Bezirksebene leiten zu dürfen."

Redaktion: "Welches Spiel war für dich bisher aus Schiedsrichter-Sicht dein interessantes Spiel?"

Timm: "Ich fand das Derby zwischen GoLüWa und Holenberg ganz interessant. Trotz der Ansetzung unter der Woche waren einige Zuschauer da und haben für eine gute Atmosphäre gesorgt. Ich habe nach dem Spiel, bei dem ich im Übrigen auch beobachtet wurde, eigentlich nur Gutes gehört."

Redaktion: "Danke für das Gespräch. Wir wünschen Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr."

Timm: "Sehr gerne. Euch und Euren Leseren auch einen guten Rutsch ins neue Jahr".

Foto: mm

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