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Sonntag, 29. Dezember 2019 15:45 Uhr

"Hildesheim ist fußballverrückt" - Adem und Mohammed Avci im Gespräch "Hildesheim ist fußballverrückt" - Adem und Mohammed Avci im Gespräch

Mannschaft 1: 1. FC Wunstorf

Hildesheim/Hameln/Holzminden (mm). Zwei Hamelner, mit einer Vergangenheit im Landkreis Holzminden, spielten in der Hinrunde der Saison 2019/2020 in ihren Vereinen groß auf. Adem Avci, welcher zweimal für den damaligen Kreisligisten TSV Pegestorf gestürmt und das Dorf von der Weser beinahe in die Bezirksliga geschossen hat, spielt bereits seine zweite Saison beim Oberligisten VfV Hildesheim, dem aktuellen Tabellenführer. Sein Bruder Mohammed spielte in der vergangenen Saison in der A-Jugend des SV06 Holzminden und ist derzeit mit seinen zehn Saisontreffer maßgeblich am Erfolg der Landesliga A-Jugendmannschaft der JSG Hameln-Land beteiligt.

Wir haben uns mit den beiden Stürmern im Classic Hameln zu einem Interview getroffen. In diesem Gespräch beantworten sie unter anderem, ob sie sich, trotz des deutlichen Altersunterschied, vorstellen können, irgendwann einmal als Sturmduo auf Torejagd zu gehen. Zudem verrät Adem Avci alle Details, wie sein Wechsel nach Hildesheim zu Stande gekommen ist und warum er sich in der Domstadt so wohlfühlt.

Redaktion: "Adem und Mohammed, schön, dass ihr beide die Zeit für dieses Interview gefunden habt."

Beide: "Sehr gerne."

Redaktion: "Adem, du bist im Kreis Holzminden durch deine Zeit bei Pegestorf noch bekannt. Lassen wir deinem jüngeren Bruder mal den Vortritt. Wie bist du zum Fußball gekommen und welche Jugendstationen hast du durchlaufen, Mohammed?"

Mohammed: "Ich habe anfangs mit ein paar Freunden auf der Straße gekickt. Da kamen wir auf die Idee, uns gemeinsam beim ESV Eintracht Hameln anzumelden. Ich bin anschließend zu Preußen Hameln und später zum TSV Klein Berkel gewechselt. In der B-Jugend wurde ich schließlich von Hysen Hasani entdeckt, wo ich für den TSV Klein Berkel gegen den TB Hilligsfeld sechs Tore geschossen habe."

Redaktion: "In der B-Jugend habe ich dich dann für Tündern gegen die JSG Forstbachtal in Holenberg spielen sehen. War das deine erste Saison im Bezirk?"

Mohammed: "Genau. Ich habe die ganze Zeit auf Kreisebene gespielt. Nach einem Probetraining habe ich dann in Tündern zugesagt. Ich bin dann auch gleich Kapitän geworden und habe den größten Teil der Saison auf der Innenverteidigerposition gespielt. In den letzten vier Saisonspielen durfte ich dann in der Offensive ran und habe dann auch gleich 16 Tore erzielt."

Redaktion: "Als Kapitän warst du in Tündern auch angekommen. Wie kam es dann dazu, dass wir dich in der vergangenen Spielzeit bei der Bezirksligamannschaft des SV06 Holzminden gesehen haben?"

Mohammed: "Steffen Niemeyer war zu dem Zeitpunkt der A-Jugendtrainer bei der JSG Hameln-Land. Er hat mir in einem Gespräch mitgeteilt, dass er mit mir in der Innenverteidigung plant und er mich somit nicht auf meiner Lieblingsposition im Sturm spielen lassen wollte. Das habe ich so nicht akzeptiert, sodass ich mich kurzfristig dem SV06 Holzminden angeschlossen habe, wo ich vorher unter anderem schon Malek Bero kannte."

Redaktion: "Wie blickst du auf die Zeit in Holzminden zurück?"

Mohammed: "Ich wurde gut in der Mannschaft aufgenommen und es hat anfangs soweit alles gut geklappt. Ich habe in der Hinrunde 14 Tore erzielt. Die Hallensaison hat mit den zahlreichen Herren-Hallenturnieren Spaß gemacht. Da konnten wir uns gegen starke Gegner messen. In der Rückrunde gab es ein paar Probleme, sodass ich auch nicht mehr regelmäßig trainieren konnte. Zudem folgte der Trainerwechsel von Michael Schmidt auf Ali Chaabu. Dank der Unterstützung von Andreas Korte hat es dann auch wieder mit dem Training geklappt. Mit dem Klassenerhalt hatte ich dann ein versöhnliches Ende."

Redaktion: "Seit Sommer bist du wieder bei JSG Hameln-Land zurück. Aktuell seid ihr Vierter in der Landesliga und du blühst auch selbst auf. Habt ihr damit gerechnet?"

Mohammed: "Mit dem Saisonverlauf haben wir nicht gerechnet. Wir sind mit dem Saisonziel, die Klasse zu halten, in die Saison gegangen, da die Mannschaft auch fast nur aus dem jüngeren Jahrgang besteht. Jetzt wollen wir natürlich oben dranbleiben. Wir sind seit sieben Spielen ungeschlagen und haben unter anderem den Tabellenführer HSC Hannover besiegt. In zehn Spielen konnte ich zehn Tore erzielen und 14 Torvorlagen geben."

Redaktion: "Adem, vor zwei Jahren haben wir uns hier im Classic Hameln zu einem Interview getroffen und du hast einen Wechsel im Sommer 2018 kategorisch ausgeschlossen. Wie kam es zu dem Sinneswandel?"

Adem: "Nach dem Bezirkspokalsieg mit Lachem waren wir hier im Classic Hameln am feiern, als ich eine Facebook-Nachricht von Thomas Siegel, dem Trainer des VfV Hildesheim, erhielt, in welcher er sein großes Interesse an mir bekundet und mich um ein Telefonat gebeten hat. Ich wußte, dass Hildesheim hochspielt, sodass ich angefangen habe zu überlegen, zumal ich auch mütterlicherseits Verwandtschaft in Hildesheim habe. Ich habe zugesagt bei einem Blitzturnier für den VfV zur Probe mitzuspielen. Dort stand eine Partie gegen einen Kreisligisten und den Regionalligisten 1. FC Egestorf/Langreder auf dem Programm. Dort kam ich dann gegen Egestorf zum Einsatz. Der Trainer und der Vorstand haben mir nach dem Spiel in einem Gespräch mitgeteilt, dass ich sehr gut gespielt hätte und ich genau der Spielertyp sei, nach dem sie gesucht haben. In einem weiteren Probespiel gegen die U19 von VfL Wolfsburg habe ich dann auch ein Tor geschossen und anschließend den Einjahresvertrag unterschrieben."

Redaktion: "Du hast immer betont, dass der SV Lachem-Haverbeck, insbesondere Yalcin Ulus und Egcon Musliji, für dich wie eine Familie ist. Wie haben die Jungs deine Entscheidung aufgenommen?"

Adem: "Ich habe Yalcin und Egcon gleich eingeweiht und beide haben zu mir gesagt, dass ich so eine Chance nicht mehr bekommen werde und ich es machen soll. Die Mannschaft stand somit hinter mir und meine Familie auch."

Redaktion: "Die erste Saison nach dem Abstieg aus der Regionalliga war für den VfV Hildesheim keine einfache Spielzeit. Du selbst bist nur auf ein Tor gekommen und wurdest auch mal als Chancentod bezeichnet. Auf welcher Position hast du gespielt und warum konntet ihr in der vergangenen Saison nicht wie erhofft oben mitspielen?"

Adem: "Ich habe in meiner ersten Saison als hängende Spitze bzw. als Spielmacher gespielt. Meine Aufgabe war es also mehr die Bälle festzumachen und sie zu verteilen. Es war für mich ein sehr laufintensives Spiel. Ich konnte neben des erwähnten Tor 14 Vorlagen geben. Klar wird man als Stürmer an Toren gemessen, aber die treuen Fans und Vereinsverantwortlichen haben immer gesehen, dass ich für die Mannschaft alles gegeben habe. Im Nachhinein denke ich, dass uns in dieser Saison einfach die Erfahrung auf dem Platz gefehlt hat, da wir häufig mit sehr vielen jungen Spielern, die gerade aus der A-Jugend hochgekommen sind, in die Spiele gegangen sind."

Redaktion: "Du hattest zwischenzeitlich mal bei Kapellen-Erft in der Oberliga Niederhein gespielt, sodass für dich Oberligafußball nicht unbekannt war. Welche Unterschiede konntest du zwischen Bezirksliga und der Oberliga ausmachen?"

Adem: "Es wird einfach viel schneller und körperlicher gespielt. Anfangs hatte ich mich auch keiner der gegnerischer Trainer auf dem Schirm, aber mit der Zeit wurde ich dann, wie zu Zeiten in der Kreisliga, immer häufig gedoppelt, um mir meine Räume zu nehmen. Das hat mich mit der Zeit aber stärker gemacht."

Redaktion: "Die aktuelle Saison läuft für euch sensationell gut. Aus 19 Ligaspielen konntet ihr 49 Punkte mitnehmen, sodass ihr bereits jetzt einen Vorsprung von acht Punkten auf den Tabellenzweiten habt. Du hast auch schon acht Saisontore erzielt. Was hat sich im Sommer bei euch verändert und was war ausschlaggebend dafür, dass du deinen Einjahresvertrag überhaupt verlängert hast?"

Adem: "Wir haben mit Benjamin Duda einen neuen Trainer bekommen, der vorher im Jugendleistungszentrum von Eintracht Braunschweig tätig war. Thomas Siegel hat die Aufgabe des Sportdirektors übernommen. Ich hatte ein persönliches Gespräch mit Benjamin Duda, in welchem er mich voll überzeugt hat. In diesem Gespräch hat er mir offen und ehrlich von seinem geplanten Angriffspressing erzählt, in welchem er mich als Sturmspitze sieht. Ich habe die Entscheidung nie bereut. Ich nehme aus jeder Trainingseinheit etwas Neues mit. Insbesondere die Spielvorbereitung mit der Videoanalyse vom Vorspieltag bringt uns weiter. Insgesamt haben wir eine reifere Mannschaft und unsere Gegner finden gegen unser Angriffpressing und unseren Tempofußball keine Mittel. Dank des Vertrauens von Benjamin Duda läuft es bei mir mit elf Vorlagen und acht Toren auch gut."

Redaktion: "Bei dem Vorsprung auf den Tabellenzweiten kommt natürlich auch die Frage auf, ob die Meisterschaft euer Ziel ist. Ist dem so?"

Adem: "Nein - bei uns redet keiner von der Meisterschaft. Wir schauen von Spiel zu Spiel, basta."

Redaktion: "Was begeistert dich an Hildesheim?"

Adem: "Wir haben super Fans und Ultras, die bei jedem Spiel dabei waren. In Delmenhorst waren zum Beispiel 300 Auswärtsfans mit und auch bei den Heimspielen ist einfach ein Genuss ins Stadion einzulaufen und in fast jedem Heimspiel vor mehr als 1.000 Zuschauern zu spielen. Hildesheim ist einfach fußballverrrückt. Das beste Beispiel war die Aktion, als der Platz für das letzte Heimspiel gegen Arminia Hannover vorbereitet wurde und es am Spieltag morgens geschneit hat. Als ich die Fotos aus Hildesheim gesehen habe, bin ich fest davon ausgegangen, dass das Spiel ausfallen wird. Mit Schneeschiebern wurde der Platz vom Schnee befreit und wir haben Hannover mit 6:2 aus dem Stadion gefegt. Respekt für diese Aktion. Das hat gezeigt, dass alle für die Domstadt anpacken."

Redaktion: "Mohammed, du bist auch oft bei Spielen deines Bruders. Hast du dir schon etwas abgeguckt? Wie ist eure Verhältnis zueinander?"

Mohammed: "Ich bin eigentlich bei jedem Heimspiel von Adem in Hildesheim und habe mir auch schon vorher seine Spiele bei Pegestorf und Lachem angeguckt. Wir reden viel über Fußball. Ich habe durch ihn auch gesehen, welche Aufgaben man als Stürmer noch hat und mir zum Beispiel das Körper reinstellen abgeguckt. Das ist auch der Grund, warum mich mein Trainer Hysen Hasani mit Adem vergleicht."

Adem: "Mir ist es auch wichtig, dass er ab und zu da ist. Es pusht mich einfach noch mehr, wenn mein kleiner Bruder dabei ist und mir nach dem Spiel dann auch ein Feedback gibt."

Redaktion: "In der aktuellen Spielzeit spielt der HSC Blau-Weiß Tündern und der VfV Hildesheim in der Herren-Oberliga. Kommt es in Rückrunde zum "Bruder-Duell"?"

Mohammed: "Ich trainiere tatsächlich schon bei den Herren mit. Mein A-Jugendtrainer hat mit dem Trainer Siegfried Motzner darüber auch schon gesprochen. Er meinte zu ihm, dass ich, wenn ich weiter meine Leistung bringe, auch meine Einsätze in der Rückrunde bekommen werde und beim Auswärtsspiel in Hildesheim gegen Adem im Kader sein werde."

Redaktion: "Adem, habt ihr auch schonmal darüber nachgedacht irgendwann einmal zusammen bei einem Verein auf Torejagd zu gehen und was würdest du deinem Bruder für seine weitere fußballerische Laufbahn raten?"

Adem: "Da wir altersmäßig neun Jahre auseinander sind, haben wir darüber nie wirklich nachgedacht. Ich rate ihm auf jeden Fall so hoch wie möglich zu spielen, wie er es sich zutraut. Das ist für seine Entwicklung sehr wichtig. Da ist Tündern auf jeden Fall eine gute Adresse."

Redaktion: "Danke für das Gespräch. Wir drücken Euch für das Jahr 2020 die Daumen."

Foto: mm

 

 

 

 

 

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